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Eine positive Sicht auf den Corona-Ausnahmezustand

Eine positive Sicht auf den Corona-Ausnahmezustand -

Wie finden wir persönliches Glück in Zeiten der Kontaktsperre?

Viele Menschen verbinden mit dem Wort "Corona" fast ausschließlich negative Assoziationen:

Da wäre an erster Stelle die Furcht vor Ansteckung und dem Kontakt mit anderen Menschen, die Frustration über "Mangelwaren" wie z.B. das vielzitierteToilettenpapier, das Schlange stehen und längere Wartezeiten vor den wenigen noch geöffneten Geschäften.

Viele ärgern sich über die herrschenden Einschränkungen unserer persönlichen Freiheit - wir können uns nicht so frei bewegen, wie wir es gewöhnt sind, dürfen uns nicht mit Freunden im Eiscafé tref­fen und nicht mit unseren Verwandten im Restaurant essen gehen. Wir dürfen unsere Oma weder im Seniorenheim noch zu Hause besuchen, Hochzeiten und Geburtstagsfeste müssen abgesagt werden, und das ganze Leben läuft auf einmal ganz anders, als wir es bisher gekannt haben.

Die Schulen und Kindergärten sind geschlossen und die Kinder- und Hausaufgabenbetreuung wird für viele Eltern zu einer Herausforderung. Wenn wir jemanden auf der Straße treffen, schauen wir darauf, den geforderten Sicherheitsabstand peinlich genau einzuhalten; begegnen uns Leute beim Spazierengehen, weicht man sich weiträumig aus und manche Nachbarn denunzieren ihre Nachbarn, wenn bei Ihnen plötzlich ein fremdes Auto vor der Türe steht. Alle Spielplätze sind gesperrt, die Fitnessstudios, Schwimmbäder und alle kulturellen Einrichtungen wie Theater und Kinos sind geschlossen. Das Ordnungsamt und die Polizei kontrollieren, ob die Bestimmungen der Ausgangssperre auch eingehalten werden.

Ein großer Teil unserer Bevölkerung darf nicht arbeiten und wir machen uns Sorgen um unsere Arbeitsplätze und darum, ob wir mit dem Kurzarbeitergeld zurechtkommen werden. Kleine und mittlere Betriebe bangen um ihr Überleben.

Es liegt eine allgemeine Unsicherheit in der Luft und viele von uns haben Angst, denn solch eine Situation haben wir alle noch nicht erlebt.

Wir können an dem, was gerade um uns herum passiert nichts ändern und unsere Lage auch nur begrenzt beeinflussen - sehr wohl verändern und beeinflussen können wir aber unsere Einstellung und unser Denken in und zu dieser Ausnahmesituation.

Ich möchte Ihnen Mut machen, neue gedankliche Wege zu beschreiten und sich einer anderen Sichtweise auf das Geschehen zu öffnen.

Deshalb habe ich versucht, die einzelnen Buchstaben des Wortes "CORONA" mal mit ganz positiven Begriffen zu besetzen:

C Chance

O Optimismus

R Resilienz

O Organisation

N Nähe

A Annahme

1. Corona als Chance

Nach den Weihnachtsfeiertagen habe ich mir ganz im Stillen vorgestellt, wie schön es wäre, mir drei Monate als "Sabbat-Vierteljahr" nehmen zu können. Nicht arbeiten zu gehen - und, verstehen Sie mich nicht falsch - ich liebe meine Arbeit und sie ernährt mich nicht nur, sondern ist auch ein großes und sinnstiftendes Element in meinem Leben. Viel mehr war da eine Sehnsucht in mir, endlich einmal Zeit für all das zu haben, das sonst in meinem Leben eher hinten anstehen muss, wofür ich nach der Arbeit oft zu müde bin oder das in all den Alltagsanforderungen einfach unter geht.

Die Corona-Pandemie hat mir meinen Wunsch zwar ganz anders erfüllt, als ich es mir hätte vorstellen können, vom Ergebnis her hat sie mir jedoch überreich das geschenkt, wovon es in meinem Leben vorher scheinbar viel zu wenig gab - nämlich Zeit im Übermaß.

Und etwas anderes, das meinen Alltag sonst bestimmt und strukturiert ist plözlich weg gefallen - der Druck, der aus dem "Ich muss...", "Ich sollte noch...", "Eigentlich müsste ich noch..." entsteht.

Durch das Corona-bedingte Arbeitsverbot und die Kontaktsperre fiel mir auf, wie sehr meine Tage sonst angefüllt waren von einer Vielzahl an zu erledigenden Dingen. Wieviel geschäftiges Herumsausen von einer Aufgabe zur nächsten in die Zeit zwischen Aufstehen und Schlafen gehen hineingepasst hatte.

Und auf einmal war da das Gefühl, erst einmal nichts mehr zu "müssen" und in aller Ruhe schauen zu können, was denn meinen Bedürfnissen und meinem ganz persönlichen Rhythmus entspricht.

Ich empfinde es als große persönliche Freiheit, meine mir geschenkte Zeit mit dem füllen zu dürfen, was mir wichtig ist. Ich fühle die große Chance, die darin liegt, mich ganz auf mich selbst besinnen zu dürfen. Ich spüre das Glück, das dadurch in mir entsteht, dass ich mich aus der Außenwelt ein großes Stück herausnehmen darf, und mich dafür auf meine Innenwelt besinnen kann.

Ich stehe morgens nicht mehr auf, weil ein Wecker mich aus dem Schlaf klingelt, sondern dann, wenn ich von selbst wach werde. Bei der ersten Tasse Kaffee kann ich in mich hineinspüren, womit ich meinen Tag füllen möchte, und das kann ganz viel Verschiedenes sein:

Für meinen Arbeitsplatz und das Projekt von KISSENZAUBER Mundschutzmasken nähen, mich bei einer wunderschönen Meditation von Veit Lindau auf YouTube mit guten Gedanken und Gefühlen aufladen lassen, in der Sonne auf dem Balkon die schönen Frühlingsblumen und das Gezwitscher der Vögel genießen, mit Farben und verschiedenen Materialien ein Bild gestalten, mit Zeit und Muße die schon länger gekauften dicken Bücher lesen, liebevolle und lange Telefongespräche mit meinen Eltern, meinem Mann oder mit Freunden und Freundinnen führen, so manche Ecke meiner Wohnung entkrusteln, spazieren gehen und den Frühling feiern, mir etwas Gutes kochen, ein Wannenbad nehmen...

Und darüberhinaus habe ich Zeit dazu, all die Gedanken, die in der Stille aus mir aufsteigen und die sonst im Alltag untergehen, bewusst zu hören. Ich kann in aller Ruhe anschauen, wie ich mich in meinem Leben fühle. Ob die Entscheidungen, die ich getroffen habe, noch zu mir passen, oder ob es da etwas gibt, das ich vielleicht verändern möchte.

Bei Besuchen in den Bau- und Gartenmärkten ist mir aufgefallen, wie viele Menschen sich gerade mit Pflanzen und Erde oder Farbe, Walze und Pinseln eindecken, um ihren Garten oder ihr Zuhause zu verschönern. Viele Väter sind gerade viel mehr zu Hause anwesend als sonst und erleben ihre Familie ganz neu. Viele Menschen erinnern sich an vergessene Hobbies und lange nicht mehr gepflegte Kontakte.

"Stay Home" gibt uns die Chance, uns zu besinnen und uns zu fragen: "Was ist eigentlich wirklich wichtig in meinem Leben"!





2. Organisation ist alles

Die veränderten äußeren Umstände sind geradezu eine Aufforderung an uns, flexibel zu denken und zu handeln.

Das Unternehmen KISSENZAUBER hat uns das auf ganz beeindruckende Weise vorgemacht! Da das Geschäft mit seinem reichhaltigen Sortiment an Stoffen und Nähbedarf nicht zu den systemrelevanten Anbietern gehört (also den Läden, die uns derzeit mit dem Lebensnotwendigen wie Nahrung und Drogerieartikeln versorgen), musste KISSENZAUBER erst einmal seine Türen schließen. Das hat die Inhaberinnen und Geschäftsführerinnen Anja und Kyra Hohndorf aber in keiner Weise mutlos gemacht! Sie haben eine ganz wunderbare ehrenamtliche Aktion ins Leben gerufen, (kilo)meterweise Stoff gespendet, den Schnitt für eine Mundschutzmaske erstellt und mit Nähanleitung und Zubehör versehen vielen ehrenamtlichen Näherinnen und Nähern fertige Nähpakete zur Verfügung gestellt. So entstanden bis zum 16.04.2020 die beachtliche Anzahl von 7 127 Mundschutzmasken, die an Krankenhäuser, Arztpraxen und zahlreiche andere Einrichtungen ausgeliefert wurden.

Diese Aktion ist ein wunderbares Beispiel für Flexibilität, schnelles Umdenken und kreatives Handeln. Anstatt wegen der Ladenschließung frustriert die Hände in den Schoß zu legen haben die beiden Hohndorfs mit ihrem Team ehrenamtlicher HelferInnen neue Wege beschritten und gezeigt, dass mit guter und durchdachter Organisation ganz neue Ideen entstehen und verwirklicht werden können.

Auch für mich gab es durch Corona die Möglichkeit, flexibel auf die veränderte Situation zu reagieren. Meine Tochter darf ihrer Arbeit weiterhin nachgehen und für meine Enkeltochter war und ist es nicht leicht, die große Menge an Lernstoff, die ihr durch die Schließung der Schule täglich per email zugestellt wird, alleine zu bewältigen. Da ist in Deutsch eine Lektüre zu lesen und zu bearbeiten, es gibt viele Hausaufgaben in der ersten Fremdsprache Englisch und die Mathematikaufgaben mit Brüchen und Dezimalumrechnung sind auch nicht einfach zu verstehen. Wir haben uns mehrmals pro Woche die Segnungen der modernen Technik zunutze gemacht und per WhatsApp Videoanruf zusammen gelernt. Meine Enkelin hat mir ihre Lektüre Kapitel für Kapitel vorgelesen, und dabei konnten wir gleich unbekannte Begriffe klären und immer wieder kleine Zusammenfassungen des Inhalts üben. Die Englischaufgaben wurden leichter, weil sie ihre Fragen zu Aussprache und deutscher Bedeutung der Vokabeln direkt an mich richten konnte, und die Mathematikaufgaben haben wir - jede für sich - gerechnet und danach gespannt unsere Ergebnisse verglichen. Mir hat das Lernen mit meiner Enkeltochter viel Freude gemacht und sie fühlte sich nicht alleine gelassen mit der Aufgabenflut - eine Win-Win-Situation für uns beide. Eigentlich eine Win-Win-Win-Situation, weil meine Tochter dadurch entlastet wurde und die Zeit mit meiner Enkelin mit Fahrrad fahren, spazieren gehen und anderen Erlebnissen füllen konnte.

Organisation in Zeiten von Corona bedeutet also auch, dass sich jeder von uns die Frage stellen kann: "Was kann ich tun?" und "Wie lassen sich die nötigen Dinge jetzt auf andere Art verwirklichen?"




3. Resilienz gegen den allgemeinen Frust

Resilienz ist eine wunderbare und - meiner Meinung nach - lebensnotwendige Fähigkeit. Resilienz zu besitzen bedeutet, auch schwierige Lebenssituationen ohne größere Beeinträchtigungen zu überstehen - sie ist also eine Art psychische Widerstandskraft.

Wir könnten die Fähigkeit zur Resilienz nicht in uns ausbilden, wenn es auf unserem Lebensweg nicht immer wieder kleinere und größere Hindernisse zu bewältigen gäbe. Lebenserfahrungen wie zum Beispiel Arbeitslosigkeit, die Trennung von einem geliebten Partner, ein Unfall mit gesundheitlichen Folgen oder der Tod eines nahestehenden Menschen sind für uns natürlich nicht schön und auch nicht leicht zu verarbeiten. Wir profitieren jedoch auf der psychischen Ebene von der Feststellung, dass das Leben trotzdem weiter geht und wir oft sogar gestärkt und menschlich gereift aus solchen Herausforderungen hervorgehen. Mit jeder schwierigen Lebenssituation, die wir gemeistert haben, wächst unsere Fähigkeit zur Resilienz.

Denn bei der nächsten Lebenskrise können wir uns an alle schwierigen Situationen erinnern, die wir auf unserem Weg schon hinter uns gelassen, bewältigt und vielleicht sogar in etwas Positives umgewandelt haben. Ein Leben ohne Herausforderungen und Schwierigkeiten wäre nämlich nur scheinbar wunderschön - wir brächten uns dadurch um die Möglichkeit, innerlich zu wachsen und zu reifen.

Mir persönlich liefert das Gras auf der Wiese ein sehr anschauliches und eindrückliches Bild für Resilienz. Es ist elastisch und flexibel, legt sich bei starkem Wind und Sturm schon mal flach auf den Boden, nur um sich nach dem Wind wieder aufzurichten. Im Frühling und Sommer erfreut es uns mit seinem satten Grün und selbst wenn es von vielen Füßen plattgewalzt wird, steht es doch wieder auf. Im Herbst wird es trocken und gelb, bleibt so auch im Winter, und man könnte denken, die Lebenskraft sei daraus entwichen, aber im nächsten Frühling belehrt das Gras uns eines Besseren und treibt neues, kraftvolles Grün.

In fast jedem Märchen, das wir als Kinder gelesen haben oder vorgelesen und erzählt bekamen, steckt immer auch eine Botschaft der Resilienz.

Märchenhelden stehen vor scheinbar unlösbaren Aufgaben, und es wäre ein leichtes für sie, daran zu scheitern und einfach zu verzweifeln. Stattdessen versuchen sie, mit ihren ganz eigenen Fähigkeiten doch eine Lösung zu finden, und sobald sie sich dazu entschlossen haben, kommt oft unvermutete Hilfe von ganz unerwarteter Seite.

Bemerkenswert finde ich auch, dass es in den Märchen oft der sogenannte "Dummling" ist, der über die Fähigkeit zur Resilienz und Problemlösung verfügt. Ich verstehe das so, dass wir uns oft nicht einmal unserer Fähigkeiten bewusst sein müssen, um im richtigen Moment das genau richtige zu tun!

Wir können uns also auch in Zeiten von Corona Fragen stellen, die unsere Resilienz aktivieren:

"Wie kann ich meine ganz eigenen Fähigkeiten einbringen?" und "Aus welcher Quelle schöpfe ich meine Kraft, um diese besondere Zeit gut zu überstehen?"



4. Optimismus und positives Denken als heimliche Kraftquelle

Für meine Großeltern und auch meine Eltern stellten ihr Glaube und ihre Zugehörigkeit zu einer der beiden christlichen Kirchen einen starker Halt im Leben und eine nicht versiegende Kraftquelle dar.

Für diese beiden Generationen war Religion aus ihrem täglichen Leben nicht wegzudenken.

Heute steht uns eine Vielzahl von religiösen, philosophischen oder spirituellen Quellen zur Verfügung.

Das vielleicht wichtigste Gefühl, das uns diese Quellen vermitteln ist Vertrauen. Das Vertrauen, dass wir nicht ohne Sinn auf diese Erde geboren werden. Das Vertrauen in gute Mächte, die uns wohlmeinend begleiten und beschützen. Das Vertrauen in das Gute im Menschen und nicht zuletzt das Vertrauen in uns selbst und unsere Lebensenergie.

Wenn ich im Vertrauen bin, kann ich mich selbst, meine Mitmenschen und die Welt, die mich umgibt, positiv betrachten. Ich fühle mich im besten Fall mit allen und allem verbunden. Ich versuche, im Moment zu sein und zu leben und kann von meinem Platz im Jetzt und Hier sowohl recht versöhnt auf meine Vergangenheit schauen als auch meist gelassen und optimistisch in die Zukunft blicken.

Ich kann versuchen, meine Wahrnehmung zu verändern. Ich möchte im Vertrauen bleiben und mich nicht den Stimmen anschließen, die für unsere Welt und die Zukunft gerade richtige Schreckensszenarien entwerfen und sie uns in den schlimmsten Farben ausmalen.

Ich möchte mich nicht mit Sorgen und negativen Gedanken belasten, weil das meiner Lebenserfahrung nach noch keine schwierige Situation für mich vereinfacht hat.

Ich möchte kein Teil der großen Angst- und Panikmache sein.

Ich möchte nicht auf hohem Niveau über die derzeitigen Umstände jammern.

Ich freue mich darüber, dass ich ein gemütliches und schönes Zuhause habe, jede Nacht in einem warmen Bett schlafe und stets genügend zu Essen und zu Trinken in meinem Kühlschrank finde.

Ich bin dankbar für die lieben Menschen in meinem Umfeld - meine Familie und meine Freunde - und ich bin dankbar dafür, dass sie sich alle bester Gesundheit erfreuen.

Ich bin dankbar dafür, wie gut es mir geht - ob mit oder ohne Corona-Pandemie.

Ich glaube daran, dass in jeder Veränderung eine große Möglichkeit zur Veränderung und Verbesserung steckt.

Ich hoffe, dass viele Menschen mit mir sich auf die wichtigen Werte im Leben zurückbesinnen.

Ich wünsche mir, dass durch und nach Corona wieder im Mittelpunkt steht, wer wir sind, und nicht was wir haben.

Schon mein Leben lang höre ich von manchen Menschen, wann ich denn endlich erwachsen werden will!

Wenn erwachsen sein bedeutet, nicht mehr an das Gute zu glauben, keine optimistischen und positiven Visionen mehr zu haben - wenn erwachsen sein bedeutet, nicht mehr von einer besseren Welt zu träumen, dann bin ich sehr froh, dass ich mir mein inneres Kind bewahrt habe.

Die Frage zum Optimismus in Zeiten von Corona? "Wie kann ich ein kleines Licht für mich und andere sein?" und "Was kann ich tun, um die Welt ein kleines bißchen heller und wärmer zu machen?"



5. Wie geht denn Nähe während der Kontaktsperre?

Nähe ist ein sehr relativer Begriff. Ich habe Freundinnen, die ich 4 Mal im Jahr sehe, und wenn wir uns wieder treffen kommt es uns vor, als hätten wir uns erst gestern gesehen.

Seit Corona telefoniere ich fast jeden zweiten Tag mit meinen Eltern. Es ist uns ein Bedürfnis, uns gegenseitig nacheinander zu erkundigen und uns zu versichern, dass es dem anderen gut geht. Auch wenn wir uns gerade nicht besuchen können, ist durch die vielen kleinen Telefonate eine Nähe entstanden, die wir vorher nicht so spürbar zueinander hatten.

Auch der Kontakt zu meiner Tochter und meiner Enkelin ist seit Corona intensiver geworden.

Mit meinen Freundinnen ist es ähnlich. Wir schicken uns häufige kleine SMS‘ oder Sprachnachrichten, schöne Sprüche oder nette Bilder.

Es fühlt sich an, als rücken wir näher zusammen, obwohl wir uns schon eine Weile nicht persönlich treffen können.

Im weiteren Umfeld höre ich täglich von schönen Beispielen für mehr Nähe und Miteinander. Es gibt Einkaufshilfen für ältere Menschen, viele Leute engagieren sich auf vielfältige Art und Weise ehrenamtlich für ihre Mitmenschen. Orchester nehmen - jeder für sich Zuhause - Musikstücke auf, die hinterher zusammengefügt und in den sozialen Medien allen zugänglich gemacht werden. Menschen verabreden sich zum gemeinsamen Singen oder Musizieren auf ihren Balkonen. In Ortschaften und Städten bilden sich Initiativen, die Restaurants und kleinere Geschäfte in dieser Zeit unterstützen. Da ist Solidarität und ein Zusammenrücken spürbar, das in Not- oder Ausnahmesituationen scheinbar wie von selbst entsteht. Kinder malen Bilder für Senioren in Heimen, die Post verzeichnet einen Zuwachs an Briefen und Päckchen, die quer durch die Republik geschickt werden. Viele Bands, die nicht auftreten dürfen, stellen eigens komponierte Corona-Songs ins Internet und Prominente schicken von Zuhause Besinnliches, Unterhaltendes und Erheiterndes in den Äther.

Diese kleinen Zeichen der Nähe und Menschlichkeit fallen für mich viel schwerer ins Gewicht als die ständigen neuen Hochrechnungen medizinischer Institute, die allgegenwärtigen beunruhigenden Nachrichten und die sich widersprechenden Meinungen ungezählter selbsternannter "Experten".

Letztendlich ist es doch so, dass wir alle nur vermuten können, wie gefährlich Corona ist, wie lange die Kontaktsperre noch andauert, inwiefern die verordneten Maßnahmen greifen - keiner weiß Genaues und es gibt keine gesicherten Erkenntnisse.

Macht es da nicht viel mehr Sinn, sich über all die kleinen positiven Zeichen zu freuen, die ganz wirklich passieren?

Fragen wir uns doch lieber: "Wie kann ich der Kontaktsperre durch mehr Nähe zu meinen Lieben etwas entgegensetzen?" und "Wer könnte sich heute über einen Anruf, einen Brief, eine email oder ein Päckchen von mir freuen?"



6. Annahme dessen, was ist!

Der spirituelle Lehrer Eckhart Tolle hat mir in den letzten Wochen - nicht nur im Bezug auf Corona - sehr weiter geholfen. Er sagt, dass unser menschliches Leiden dadurch entsteht, dass wir nicht annehmen wollen und können, was ist.

Am Beispiel des Wetters wird seine Aussage ganz deutlich. Wir möchten spazieren gehen, und plötzlich fängt es an zu regnen. Wir ärgern uns, sind frustriert und sagen uns:"Ich hätte aber lieber, dass die Sonne scheint!" Das alles hilft uns leider überhaupt nicht weiter! Der Regen fällt, ob es uns gefällt oder nicht, und wir haben ja immer die Möglichkeit, uns regentauglich anzuziehen und unseren Spaziergang trotzdem - oder vielleicht gerade deswegen - zu genießen. Das Gefühl von Regentropfen auf der Haut ist etwas sehr Schönes, und schließlich - wie meine Oma immer gesagt hat, sind wir ja auch nicht aus Zucker!

Man könnte sich da noch viele Szenarien ausdenken, in denen es uns schwer fällt, das was ist, anzunehmen. Denken wir nur an Sätze wie:

"Mein Partner könnte ruhig liebevoller zu mir sein!"

"Mein Chef sollte mich öfter mal loben!"

"Warum gibt es die Bluse nicht in meiner Größe?"

"Ich möchte aber nicht, dass heute Montag ist!"

"Jetzt ist das Kind schon wieder krank - wir wollten doch in Urlaub fahren!"

"Jetzt hast Du mir schon wieder nicht zugehört!"

Die Situationen in den Beispielsätzen sind nicht das Problem - sagt Herr Tolle - das Problem ist, dass wir uns gegen die Situationen wehren, dass wir es lieber anders hätten, und daraus entsteht unser Leid, unser Ärger, unsere Frustration.

Mich hat sehr interessiert, ob Eckhart Tolle Recht hat mit seiner These. In den letzten Wochen habe ich mich darum bemüht, meinem Leben und Allem, was mir darin begegnet, mit mehr Annahme entgegen zu kommen. Daraus ergab sich, dass ich versuchte, möglichst keine Erwartungen an Menschen oder Situationen zu haben.

Und siehe da - auf einmal merkte ich, dass ich mich viel weniger ärgern oder viel weniger frustriert sein musste. Und falls ich doch Emotionen wie Ärger, Traurigkeit oder Frustration in mir wahrnahm, bemühte ich mich darum, wieder in meine annehmende Haltung zurückzufinden.

Ich habe für mich herausgefunden und überprüft, dass Eckhart Tolle Recht hat. Das, was mein Leben unnötig schwer macht und mich ärgerlich, traurig, enttäuscht oder frustriert sein lässt, ist nicht das, was ist, sondern die Tatsache, dass ich es lieber anders gehabt hätte!

Der amerikanische Theologe Reinhold Niebuhr hat das in seinem Gelassenheitsgebet sehr schön ausgedrückt:

"Herr, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,

den Mut, Dinge zu verändern, die ich ändern kann,

und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden."

Anstatt wütend, frustriert, enttäuscht und traurig zu sein über Kontaktsperre, Verschwörungstheoretiker, "Experten", Weltuntergangsszenarien, Einschränkungen aller Art und Klopapierknappheit habe ich mich für eine andere, persönliche Glücksstrategie entschieden:

Ganz im Hier und Jetzt freue ich mich über die durch Corona ganz unerwartet geschenkte Lebenszeit und ich genieße die neu gewonnene Freiheit zu Lesen, zu Malen, zu Nähen, Sozialkontakte übers Telefon zu pflegen, in mich zu gehen und jeden Tag mit Sinn und Lebensfreude zu füllen.

Und für die Zeit nach Corona?

Zuallererst freue ich mich darauf, auch nach Ende des Ausnahmezustandes im Gedächtnis zu behalten, was mich in meinem Leben wirklich mit Sinn erfüllt und glücklich macht. Ich freue mich darauf, das Gefühl der Nähe und Zusammengehörigkeit mit Anderen in die Nach-Corona-Zeit mitzunehmen.

Ich freue mich auf das erste Eis mit meiner Tochter und meiner Enkeltochter!

Ich freue mich aufs Grillfest bei meiner Freundin im Garten mit vielen lieben Leuten!

Ich freue mich darauf, jeden so lange und innig umarmen zu dürfen wie ich möchte!

Ich freue mich darauf, mich überall frei bewegen zu dürfen!

Ich freue mich darauf, wieder arbeiten zu gehen und die lieben Menschen und Kollegen wieder zu sehen!

Ich freue mich darauf, dass das Freibad öffnet!

Ich freue mich auf die erste Bratwurst im Naturfreundehaus!

Und Vorfreude ist ja bekanntlich die schönste Freude!

Bleiben Sie gesund und herzliche Grüße,

Sabina Malin


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