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Lichtverschmutzung – die noch unbekannte Gefahr für Mensch und Umwelt


1. Künstliches Licht – der helle Wahnsinn


Die natürliche Lichtquelle unserer Erde ist die Sonne. Sie bestimmt unser Wetter und regelt nicht nur Klima, Wachstum und Dürre, sondern auch die biologischen Rhythmen von Tieren und Pflanzen.

Tagaktive Tiere brauchen die Dunkelheit zum Schlafen und Regenerieren, nachtaktive Tiere (ca. 30% der Wirbeltiere) benötigen sie für die Nahrungssuche und Fortpflanzung. Auch Pflanzen brauchen für die Photosynthese den Rhythmus von Hell und Dunkel.

In einem Rhythmus von 24 Stunden folgt morgens Helligkeit auf Dunkelheit, Wärme folgt auf Kälte und abends weicht die Helligkeit wieder der Dunkelheit.

Für unsere Vorfahren war es ganz normal, dass der Tages- und Nachtrhythmus von der Sonne bestimmt wurde. Man stand morgens bei Sonnenaufgang auf und ging bei Sonnenuntergang „mit den Hühnern“ zu Bett. Die meisten Menschen ernährten sich durch Feldanbau und Tierzucht.

Erst mit der Industrialisierung kamen Gaslaternen anstelle von Fackeln, Kerzen und Öllampen. Es entstanden Arbeitsplätze in Fabriken und Manufakturen, die Tag und Nacht genutzt wurden. Auf einmal wurde unser Lebensrhythmus nicht mehr von der Sonne bestimmt, sondern von unseren Arbeitszeiten.

Wir Menschen sind sozusagen tagaktive Primaten. Unser Biorhythmus wird seit Millionen von Jahren durch Licht und Wärme bestimmt. Fast all unsere Zellen, Organe und Lebensfunktionen zeigen regelmäßige Veränderungen, die dem Tag-Nacht-Rhythmus folgen. Dieser bestimmt unseren Schlaf-Wach-Zyklus, unsere Körpertemperatur und unseren Stoffwechsel.

Wo es Früher stockfinstere Nacht war, leuchten heute Milliarden künstlicher Lichter: Scheinwerfer, Straßenlampen, Hauslichter, beleuchtete Industrieanlagen etc.

Wetter- und Umweltsatelliten senden aus 824km Höhe Bilder unserer Erde, die ganze Lichtteppiche Zeigen – da, wo viele Menschen leben.

Allein von 2012 bis 2016 hat die künstlich beleuchtete Fläche unserer Welt um fast 10% zugenommen. Besonders hell leuchten Italien und die USA, Deutschland schließt jedoch langsam auf.

Überall, wo die Bevölkerung wächst und sich in Ballungszentren konzentriert, (und das geschieht immer mehr auch in vielen Ländern Asiens und Afrikas), beobachten Wissenschaftler eine massive Zunahme an künstlichem Licht.

An einem natürlichen Nachthimmel sind bis zu 4000 Himmelskörper sichtbar. Da künstliches Licht sich nicht nur nach oben und unten sondern auch seitlich ausbreitet, entstehen richtiggehende Lichtglocken um unsere Städte. Bei Wolkenbildung sind diese Lichtglocken bis zu 1500 Mal heller als der natürliche Nachthimmel. Will man Sterne sehen, muss man weit über Land fahren – am Besten in eine der als „Sternenpark“ deklarierten Lichtschutzzonen wie das Biosphärenreservat Rhön oder der Naturpark Westhavelland in Brandenburg. Astronomen befürchten, dass die nächste Generation in ganz Europa keine Stelle mehr finden wird, an der die Milchstraße mit bloßem Auge zu erkennen ist.



2. Neuer Forschungszweig und die Auswirkungen auf Flora und Fauna


Umweltschutz ist in aller Munde – doch wer bezieht diesen auf das Licht? Die neuen Bezeichnungen „Lichtverschmutzung“, „Lichtverunreinigung“ oder „Lichtsmog“ machen deutlich, dass die heutige Menge an künstlichem Licht bereits negativ bewertet wird.

Es ist ein neuer Forschungszweig entstanden, der die Reduzierung der irdischen Dunkelheit und ihre Folgen untersucht: sie Scotobiologie (von gr. scotos = dunkel). Wissenschaftler sprechen vom Verlust der Nacht und beschäftigen sich mit Fragen wie: Was passiert, wenn auf Hell nicht mehr Dunkel folgt und die inneren Uhren durcheinander geraten? Wie wirkt sich Kunstlicht auf die Biologie von Mensch, Tier und Pflanze aus? Was geschieht mit unserem Stoffwechsel, wenn er nicht mehr vom Sonnenlicht sondern durch künstliches Licht gesteuert wird? Wie kann die Nacht geschützt werden?

Es gibt bereits viele aufschlussreiche Untersuchungen zum Thema „Künstliches Licht“. So wachsen beispielsweise auf beleuchteten Wiesen viel weniger Blumen als auf solchen, die nachts dunkel bleiben. In der Nähe von Straßenlaternen verlieren Laubbäume ihre Blätter verspätet, was zu mehr Frostschäden führt.

Amseln und Rotkehlchen singen – durch Kunstlicht beeinflusst – manchmal mitten in der Nacht, früher am Morgen und auch früher in der Saison. Sie paaren sich eher und brüten zeitiger, sodass ihr Nachwuchs schon geschlüpft ist, obwohl noch nicht genügend Nahrung zur Verfügung steht. Für Zugvögel ist das Kunstlicht eine tödliche Gefahr. Sie orientieren sich beim Flug – statt am Licht der Sterne - an hellen, künstlichen Lichtquellen und kollidieren häufig mit Bauwerken.

Nächtliches Kunstlicht verändert das Jagdverhalten von Amphibien, z.B. von Fröschen. Geblendet vom Licht verharren sie am Platz anstatt zu jagen. Ihre Balzrufe stoßen sie nur bei Dunkelheit aus, sodass Forscher befürchten, das Verschwinden der Nacht könnte zu einem Rückgang verschiedener Populationen führen.

Fische werden durch Licht in der Nacht bei ihren Laichwanderungen gestört und zahllose Insekten fallen dem künstlichen Licht zum Opfer. In beleuchteten Städten ist die Insektensterblichkeit zwischen 40- bis 100-mal höher als auf dem Land. Dadurch geht Vögeln eine wichtige Nahrungsquelle verloren. Außerdem fehlen Nachtfalter, die als Bestäuber für viele Pflanzen wichtig sind. Die ständige Beleuchtung hat also tiefgreifende Folgen für unser gesamtes Ökosystem.


3. Auswirkungen auf Mensch und Gesundheit


Erst langsam verstehen Wissenschaftler die Auswirkungen der Lichtschwemme auf uns Menschen.

Bei Schichtarbeitern oder Menschen, die nachts hellem Licht ausgesetzt sind, nehmen Konzentration, Reaktionsfähigkeit und Gedächtnisleistung ab – und das bereits nach einer Nacht.

Ist unser Biorhythmus gestört, können sich können sich Schlafmangel oder chronische Schlafstörungen einstellen, denn das Kunstlicht verhindert die Produktion des Schlafhormons Melatonin.

Bei dauerhaftem Schlafmangel sind die Auswirkungen drastisch. Es drohen Erschöpfung, Bluthochdruck, Stoffwechselstörungen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Die Wahrscheinlichkeit steigt, an einer Depression zu erkranken. Auch Beschwerden wie Magenschmerzen, Übergewicht und Diabetes bringen Forscher mit einer geminderten Nachtruhe in Zusammenhang. Wer bis in die Nacht hinein arbeitet oder am Computer sitzt, bekommt auch zu später Stunde noch Hunger. Dann ist der Organismus mit der Verdauung beschäftigt, anstatt sich zu erholen.

Sogar ein steigendes Krebsrisiko wird mit dem Fehlen nächtlicher Regeneration in Verbindung gebracht.

„Ein erholsamer Schlaf ist die Voraussetzung für Gesundheit, Leistungsfähigkeit und Wohlbefinden. Und diesen Schlaf bekommen wir nur durch die Dunkelheit, die uns signalisiert, jetzt ist Zeit für den Schlaf“, so Schlafforscher Prof. Dr. Jürgen Zulley von der Universität Regensburg.

Viele Büros und Haushalte werden von Leuchtdioden (LED´s) erhellt, die blaue und gelbe Lichtanteile miteinander kombinieren. Auch in Fernsehern, Smartphones, Tablets sind LED´s verbaut, sodass das menschliche Auge immer mehr Blaulicht ausgesetzt ist. Dieses Blaulicht kann bis zur Netzhaut unseres Auges vordringen – mit den beschriebenen Effekten - auf unseren Tag-Nacht-Rhythmus und unsere innere Uhr.

Wichtig wäre es, warmweiße LED´s einzusetzen, die mit weniger Blaulicht auskommen, nur sinnvoll Beleuchtungsmittel einzusetzen und sie so zu positionieren, dass wir nicht direkt hinein sehen. Für die Arbeit am Computer können wir uns Brillen mit Blaulichtfilter anfertigen lassen. Spezielle Apps regeln die Blautöne der LED´s herunter und stellen den Computerbildschirm auf Nachtmodus um.

Am Besten ist es, eine Stunde vor dem Schlafengehen gar nicht mehr auf Bildschirme oder Handys zu schauen!


4. Natur, Umwelt und uns selbst schonen

Wir können viel tun, um die Beleuchtungsflut einzudämmen:

· keine Nachtstrahler auf Werbeflächen, Gebäude und Naturdenkmäler richten

· LED-Lampen kaufen, aus deren Licht die blaue Komponente entfernt wurde

· Leuchten auf warmweiße LED-Leuchten umrüsten

· Leuchten im öffentlichen Raum zwischen 22.30h und 05.30h dimmen

· Bewegungsmelder in Laternen installieren

· Auf Beleuchtung in der Nähe von wichtigen Lebensräumen für Tiere wie Hecken und Gewässer am Besten ganz verzichten

· Keine kaltweißen Strahler im Eingangsbereich des Hauses installieren

· Leuchten um Teiche und Veranden nachts abschalten

Es geht darum, der Nacht ihre „Lichthoheit“ zurückzugeben und mit Beleuchtung – ganz gleich, an welchem Ort – intelligent, modern und verantwortungsbewusst umzugehen. Das kommt uns allen zugute – uns Menschen, den Tieren, den Pflanzen und unserer ganzen Umwelt.


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